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Technologie

PACTOR-4 – das HF-Datenprotokoll der 4. Generation

PACTOR-4 (P4) nutzt die modernsten Methoden der adaptiven Kanalentzerrung, Kanalcodierung und Quellenkompression. Das Ergebnis ist ein hochadaptiver ARQ-Mode, der sich nahezu perfekt an die wechselnden Bedingungen des Kurzwellenkanals anpasst.

Inhalt

1. Funktionsprinzip

PACTOR-4 arbeitet als ARQ-Protokoll (Automatic Repeat reQuest): Datenpakete werden synchron übertragen, die Gegenstation bestätigt jeden Block. Die enge, synchronisierte ARQ-Struktur – ähnlich wie bei PACTOR-3, jedoch mit mehr Geschwindigkeitsstufen und einem verbesserten Schaltalgorithmus – ermöglicht eine extrem schnelle Anpassung an Veränderungen der Kanalbedingungen.

Auf der niedrigsten Geschwindigkeitsstufe verwendet PACTOR-4 ein neu entwickeltes 2-Ton-Chirp-Modem. Dieser Chirp-Modus ist robust gegen schmalbandige Störungen und Teilkanal-Interferenzen sowie gegen selektives Fading. Zusammen mit einem deutlich verbesserten Memory-ARQ-Verfahren bleibt die Verbindung selbst bis zu einem Signal-Rausch-Abstand von −20 dB @ 4 kHz stehen.

2. Adaptiver Entzerrer & Notch-Filter

Der Kanalentzerrer arbeitet iterativ und kompensiert Verzerrungen durch Mehrwegeausbreitung bis zu einer Delay-Spread von 8,8 ms. Signal-Echos werden aufgelöst und konstruktiv überlagert. Auch hohe Doppler-Spreads (z. B. ITU „poor channel“) können entzerrt werden. Anders als bei OFDM-Verfahren erzeugt selektives Fading kein nicht reduzierbares Rauschen – dadurch lässt sich eine hochratige Kanalcodierung mit verhältnismäßig wenig Overhead einsetzen.

Schmalbandige Störungen werden vor dem adaptiven Entzerrer durch ein neu entwickeltes minimum-phase-shift „real“ N-times auto-notch-Filter (insgesamt 6 Auto-Notches) effektiv entfernt.

3. Robustheit & SNR-Bereich

PACTOR-4 erreicht über den gesamten Arbeitsbereich von −20 dB bis +25 dB @ 4 kHz einen höheren Durchsatz als PACTOR-3. Auf typischen Kurzwellenkanälen mit Mehrwegeausbreitung ist der Unterschied noch deutlicher als auf AWGN-Kanälen und liegt im Mittel beim Faktor 2 gegenüber PACTOR-3.

Damit eignet sich PACTOR-4 gleichermaßen für Kanäle mit hohem Signal-Rausch-Abstand wie für solche mit sehr niedrigem SNR – ideal also für sicherheitsrelevante Datenübertragung.

4. Bandbreite & Kompatibilität

PACTOR-4 wurde explizit so entwickelt, dass es auf handelsüblichen SSB-Transceivern mit 2,4 kHz ZF-Bandbreite betrieben werden kann – also auf jedem modernen Amateurfunk- oder Marinetransceiver. Dank des adaptiven Entzerrers ist die Form der ZF-Filterkurve unkritisch; selbst stark „gebogene“ Filterkurven werden bei nur leicht erhöhtem SNR-Bedarf ausgeglichen.

PACTOR-4 ist vollständig abwärtskompatibel zu PACTOR-1, PACTOR-2 und PACTOR-3. Eine Verbindung zu einer Gegenstelle mit älterem Protokoll wird automatisch im passenden Modus aufgebaut.

5. Speedlevels & Datenraten

Brutto-Datenratebis zu 5.500 bps (uncompressed)
Netto-Datenrate (mit PMC-Kompression)bis zu 10.500 bps
Geschwindigkeitsstufen10 adaptive Speedlevels + 1 Chirp-Modus
Belegte Bandbreite2.400 Hz
Auto-Notch-Filter6 (automatisch)
Delay-Spread-Kompensationbis 8,8 ms
Frequenz-Korrekturbereich±280 Hz beim Connect (P4dragon)
Interferenz-Robustheitbis −20 dB @ 3 kHz SNR
AbwärtskompatibilitätPACTOR-1 / -2 / -3
Hinweis: Die maximale Netto-Datenrate von 10.500 bps wird mit der PACTOR-eigenen PMC-Kompression (Pseudo-Markov-Coding) erreicht. Bei bereits komprimierten oder verschlüsselten Daten liegt der Durchsatz entsprechend bei der Bruttorate von bis zu 5.500 bps.

6. Anwendungsbereiche

Die Kombination aus hoher Datenrate, geringer Bandbreite und extremer Robustheit macht PACTOR-4 zur bevorzugten Lösung in Anwendungen, in denen klassische Infrastruktur (Internet, Mobilfunk, Satellit) nicht verfügbar oder nicht vertrauenswürdig ist:

Datenblätter & Protokoll-Doku Verfügbare Modems


Das Ouroboros-Logo der P4dragon-Serie ist nicht nur ein Symbol für die weltumspannende HF-Kommunikation, sondern steht auch für die vielen iterativen Verfahren, ohne die PACTOR-4 die Shannon-Grenze nicht so eng erreichen könnte.